Wie kann ein leerstehendes Gasthaus wieder zu einem lebendigen Treffpunkt im Dorf werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich fünf Diplomarbeiten von Studierenden der FH Kärnten, die im Rahmen einer Ausstellung in Mörtschach präsentiert wurden. Im Mittelpunkt stand das traditionsreiche Gasthaus Kaponig mit seinem gegenüberliegenden Stadel – zwei Gebäude mit Geschichte und großem Potenzial für die Zukunft.
Vom Leerstand zum Zukunftsort
Das ehemalige Gasthaus Kaponig im Ortszentrum von Mörtschach steht seit vielen Jahren leer. Doch wo heute die Türen geschlossen sind, könnten künftig wieder Menschen zusammenkommen, Ideen entstehen und neue Angebote für die Bevölkerung und die Region geschaffen werden.
Auf Initiative des Eigentümers Hermann Kaponig und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Mörtschach sowie der Klima- und Energie-Modellregion (KEM) Nationalparkgemeinden Oberes Mölltal beschäftigten sich Studierende der FH Kärnten mit möglichen Nutzungsperspektiven für das historische Gebäudeensemble.
Unter dem Motto „Was gibt’s Neues im alten Gasthaus? – MÖÖÖRTSCHACH, kemmts vorbei!“ wurden die Ergebnisse vom 28. September bis 12. Oktober 2026 im Gemeindeamt Mörtschach ausgestellt.
Fünf Diplomarbeiten – viele kreative Ideen
Die Studierenden entwickelten unterschiedliche architektonische und funktionale Konzepte, die zeigen, wie historische Bausubstanz erhalten und gleichzeitig mit neuem Leben erfüllt werden kann.
Die Vorschläge reichen von einem neuen Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft über ein Café mit Terrasse und Nahversorgungsangebot bis hin zu Räumen für gemeinschaftliches Arbeiten, Handwerk und regionale Wertschöpfung.
Auch innovative Ansätze für Tourismus und Freizeit wurden aufgegriffen: Ein Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbike-Touren, Angebote für Ausdauersportler oder ein Ort, an dem Gäste und Einheimische miteinander in Kontakt kommen.
Besonderes Augenmerk galt dabei der Verbindung von regionaler Identität, nachhaltiger Bestandsnutzung und neuen wirtschaftlichen Perspektiven.
Bestehende Gebäude als Ressource für die Zukunft
Gerade in ländlichen Regionen stellt sich zunehmend die Frage, wie leerstehende Gebäude sinnvoll weitergenutzt werden können. Denn die Revitalisierung bestehender Bausubstanz ist nicht nur eine Frage der Ortsbildgestaltung, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Wer bestehende Gebäude erhält und weiterentwickelt, spart Ressourcen, vermeidet zusätzliche Flächenversiegelung und stärkt die Ortskerne. Gleichzeitig können neue Räume für Begegnung, Nahversorgung, Arbeit und regionale Kooperation entstehen.
Für die KEM Nationalparkgemeinden Oberes Mölltal ist das Projekt daher ein anschauliches Beispiel dafür, wie Klimaschutz, ressourcenschonende Gemeindeentwicklung und regionale Wertschöpfung miteinander verbunden werden können.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Die Ausstellung soll nicht nur die Kreativität und das Engagement der Studierenden sichtbar machen, sondern vor allem einen gemeinsamen Denk- und Diskussionsprozess anstoßen.
Welche Angebote braucht Mörtschach künftig? Welche Nutzungen sind wirtschaftlich tragfähig? Wie kann aus einem historischen Gasthaus wieder ein lebendiger Ort für die Bevölkerung und Gäste werden?
Die Diplomarbeiten liefern dazu wertvolle Impulse und zeigen unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten auf. Nun gilt es, gemeinsam mit Eigentümer, Gemeinde, Bevölkerung und möglichen Partner zu prüfen, welche Ideen sich tatsächlich umsetzen lassen.
Denn eines zeigt dieses Projekt besonders deutlich: Leerstand muss kein Endpunkt sein – er kann zum Ausgangspunkt für Neues werden.
Die KEM Nationalparkgemeinden Oberes Mölltal bedankt sich bei Hermann Kaponig, der Gemeinde Mörtschach, der FH Kärnten und den beteiligten Studierenden für die engagierte Zusammenarbeit und die spannenden Zukunftsperspektiven für das Ortszentrum.
Fotos: Sabine Seidler


