Nachbericht: Von den EEGs zu resilienten Energiezellen

Großes Interesse fand die Veranstaltung „Von den EEGs zu resilienten Energiezellen“ am 19. März 2026 in der Kultbox Mörtschach. Zahlreiche Besucher:innen informierten sich über aktuelle Herausforderungen der Energieversorgung und die Rolle regionaler Lösungen für mehr Versorgungssicherheit.

DI. Christian Tengg (KELAG) zeigte die Entwicklung der Energieversorgung von einem stark zentralisierten hin zu einem zunehmend dezentralen System und machte die bestehenden Abhängigkeiten – insbesondere von fossilen Energieimporten – auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene deutlich. Gleichzeitig betonte er die wichtige Rolle regionaler erneuerbarer Energie für die Stabilität des Gesamtsystems sowie für den Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Blackoutvorsorge und dem Netzwiederaufbau: Tengg erläuterte, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen Energieversorger wie die KELAG und die Kärnten Netz GmbH seit Jahren setzen, um im Ernstfall die Versorgung möglichst rasch wiederherzustellen. Ebenso ging er darauf ein, welche Voraussetzungen – insbesondere im Bereich Datenmanagement und Netzinfrastruktur – notwendig sind, damit Energiegemeinschaften überhaupt funktionieren können.

Blackout-Experte Herbert Saurugg ergänzte diese Perspektive um die systemische Sicht und zeigte auf, wie verletzlich unsere vernetzten Infrastrukturen sind und warum Vorsorge auf Gemeinde- und Bevölkerungsebene entscheidend ist.

Ein zentrales Fazit des Abends: Energiegemeinschaften sind weit mehr als ein Instrument zur Kostensenkung. Richtig weiterentwickelt können sie die Grundlage für sogenannte „Energiezellen“ bilden – also regionale Strukturen, die im Krisenfall eine gewisse Grundversorgung sichern und gleichzeitig die regionale Wertschöpfung stärken.

Auch die regionalen EEG-Initiativen im Mölltal zeigten, dass bereits wichtige Schritte gesetzt wurden. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es nun darum geht, bestehende Ansätze weiter zu vernetzen, technische Lösungen wie Speicher mitzudenken und Verantwortung auf mehreren Ebenen – von Energieversorgern bis zur Bevölkerung – zu übernehmen.

Im anschließenden Vertiefungsworkshop am 20. März im Gemeindesaal in Rangersdorf wurde das Thema weiter konkretisiert und in Richtung Umsetzung gedacht. Zentrale Erkenntnisse waren:

  • Resilienz braucht mehr als Stromproduktion: Entscheidend ist das Zusammenspiel von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch – sowie die Einbindung von Wärme und Mobilität.
  • Energiegemeinschaften müssen sich weiterentwickeln: Von reinen Abrechnungseinheiten hin zu funktionalen, eigenständig handlungsfähigen Einheiten.
  • Vernetzung ist der Schlüssel: Kooperation zwischen EEGs, Gemeinden und Energieversorgern ist Voraussetzung für ein stabiles Gesamtsystem.
  • Energie wird zur Gemeinschaftsaufgabe: Versorgungssicherheit entsteht durch gemeinsame Verantwortung – technisch, organisatorisch und gesellschaftlich.
  • Reduktion und Effizienz sind zentrale Hebel: Neben dem Ausbau erneuerbarer Energie braucht es vor allem eine Senkung des Energie- und Ressourcenbedarfs sowie intelligentes Energiemanagement.

Deutlich wurde: Der Weg zur resilienten Energiezelle ist kein Einzelprojekt, sondern ein Entwicklungsprozess – der im Mölltal bereits begonnen hat.

Die Veranstaltung machte klar: Die Energiewende ist nicht nur eine Frage der Nachhaltigkeit, sondern auch der regionalen Sicherheit und Handlungsfähigkeit.

Präsentationen zum Download:

26-03 – KEM – Blackout-Vorsorge und das Energiezellensystem 01_Seidler_KEM-EEGs_Energiezelle_19.03.26

Fotos: Melitta Fitzer, Birgit Doiber, Sabine Seidler